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Shanghai Journal 2

Shanghai Journal 2
Shanghai Wegweiser

Heute hatte ein Teilnehmer an meinem Workshop hier in Shanghai – übrigens ein mexikanischer Mitarbeiter, der für den deutschen Automobilzulieferer für drei Jahre in Shanghai sein wird – einen interessanten Gedanken:
Hinsichtlich Unterschieden zwischen älteren und jüngeren Mitarbeitern sprachen wir über die nach Raymond Cattell unterschiedlich ausgeprägten Anteile an so genannter kristalliner oder fluider Intelligenz. Die kristalline Intelligenz wird nach der Zweikomponententheorie vor allem durch erlerntes Faktenwissen, aber auch durch Erfahrung, Erinnerung und einen umfangreichen Wortschatz ausgemacht und ist bei älteren Menschen ausgeprägter. Die fluide Intelligenz steht für die Plastizität des Gehirns, d.h. Flexibilität, Kreativität, logisches Denken sowie schnelles Erfassen und Anpassen werden ihr zugeordnet. In der Regel ist die fluide Intelligenz bei jüngeren Menschen stärker ausgeprägt. Sie ist auch gewissermaßen angeboren, währen die kristalline Intelligenz sich über Lernprozesse ein Leben lang entwickelt.

Nun die Überlegung aus dem Workshop:
Sind unterschiedlich ausgeprägte Anteile an kristalliner du fluider Intelligenz auch abhängig von der jeweiligen Kultur, vor allem von der Art der Sozialisierung und Bildung bzw. Erziehung. D.h. weisen Menschen, die in einer Kultur sozialisiert wurden, in der – platt gesprochen – Auswendiglernen von Faktenwissen im Vordergrund steht, einen höheren Anteil an kristalliner Intelligenz auf als Gleichaltrige, die in einer Kultur sozialisiert wurden, in der das eigene Ausprobieren und Entwickeln von Gedanken im Vordergrund steht? Und weisen letztere dann auch einen höheren Anteil an fluider Intelligenz auf?

Eine spannende Frage, finden Sie nicht auch?

Fortsetzung folgt.

Shanghai Journal 1

Shanghai Journal 1
shanghai

Heute war mein erster Workshop-Tag hier in Shanghai. Ich bin hier, um die Mitarbeiter am chinesischen Standort eines deutschen Automobilzulieferers in persönlichem Wissensmanagement und vor allem effektivem Wissenstransfer zu schulen. Das Workshop-Konzept hierzu ist in Deutschland entstanden und mit den dortigen Mitarbeitern erprobt. Ich war also reichlich nervös, um ehrlich zu sein, ob dieses Konzept auch im chinesischen Kontext mit ausschließlich chinesischen Teilnehmern funktionieren wird.

Hier meine (ersten) Erfahrungen:

Workshop-Teile, in denen eine Frage an das Plenum gestellt wird und Einzelne mit ihrer Meinung hervortreten müssten, funktionieren nicht. Die gleiche Frage als Kleingruppenarbeit gestellt, an deren Ende ein Mitglied der Gruppe das gemeinsame Arbeitsergebnis präsentiert funktionieren hingegen gut. Nicht weiter überraschend, oder?

Überraschender war da schon, dass ein sehr großes Interesse am Thema Wissensmanagement besteht (beide angebotene Termine waren sehr schnell komplett ausgebucht und das Training soll mit lokalen Trainern auch nach meiner Abreise weiterhin angeboten werden). Die Teilnehmer sind sehr neugierig und haben ein durchaus differenziertes Konzept von ‚Wissen‘. Die These, dass neben Dokumentation vor allem Kommunikation und (persönliche) Interaktion wesentlich sind, stößt auf spontane Zustimmung und wenig Erstaunen. Trotz zahlreicher Restriktionen hinsichtlich der im Internet verfügbaren Informationsquellen (Google und Youtube beispielsweise sind nicht verfügbar, Wikipedia erstaunlicherweise ist nicht bekannt), ist die Informationsakquise über offene Quellen im Internet, wie z. B. MOOCs und TED, viel weiter verbreitet als in Deutschland und wird als Instrument eines persönlichen Wissensmanagements mit hoher Priorität genannt. Überhaupt das persönliche Wissensmanagement: Das Selbstverständnis als Wissensarbeiter mit einer eigenen Verantwortung hinsichtlich des individuellen Wissenskapitals ist deutlich ausgeprägter als ich das aus europäischen Organisationskontexten kenne.

Ach ja, und schließlich das Dauerthema „Wissen ist Macht“. Hier erntete ich eher bemitleidende oder unverständige Blicke: „But Gabriele, people DO want to share knowledge. It is only about adequate tools and structures.“. Na, dann…

Fortsetzung folgt.

 

(Bildquelle: destructivepixels.com)

Die wunderbare Welt des kognitiven Kapitalismus

Die wunderbare Welt des kognitiven Kapitalismus
Wissensarbeit-oder-Museum

Ich bin erst kürzlich über ein schon nicht mehr neues, aber doch für mich neues Schlagwort gestolpert, mit dem einmal mehr versucht wird, unsere Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung und ihre Umwälzungen zu beschreiben: kognitiver Kapitalismus.

Der kognitive Kapitalismus bezeichnet – im Gegensatz (?) / in der Weiterentwicklung (?) des industriellen Kapitalismus – eine ökonomische Ordnung, deren Rohmaterial Kreativität und vornehmlich neues und innovatives Wissen sind. Es bezeichnet aber damit nicht nur die schöne und saubere Welt der freien Wissensarbeit(er), sondern auch die zunehmende Transformation von Daten, Informationen und Wissen zur Ware.

Vielleicht ist deshalb dieser Begriff des kognitiven Kapitalismus ehrlicher als der altvertraute der Wissensgesellschaft: Wissen ist unser sehr persönliches Kapital als Wissensarbeiter, was uns eine in der bisherigen Geschichte ungekannte Freiheit und ja, auch Macht verleiht. Gleichzeitig wird Wissen, oder vielmehr seine Grundlagen, also Daten und Informationen, immer stärker kapitalisiert – Stichwort Data Harvesting à la Google und Co. Mit teilweise durchaus auch ethischen Konsequenzen, die wir noch nicht überschauen oder auch uns eingestehen wollen.

Der kognitive Kapitalismus also – ein zweischneidiges Schwert. Und damit als Begriff im richtigen Maß irritierend.

Bild: Museum der Arbeit, Hamburg

Experiment: Wissensmanagement-MOOC

Experiment: Wissensmanagement-MOOC
WMOOC

Schon Anfang des Jahres entstand gemeinsam mit Dirk Liesch die Idee zu einem MOOC rund ums Wissensmanagement. MOOC steht für Massive Open Online Course. Das heißt, wir möchten ein im Internet frei verfügbares Lehr- und Lernmaterial erstellen, auf dessen Grundlage ab Herbst 2016 ein kostenfreier Online-Kurs stattfinden soll, das aber auch nach dem eigentlichen MOOC dauerhaft erhalten und verfügbar bleibt. Es wird also ernst mit dem Wissen Teilen.

Die Idee beschäftigt uns schon eine Weile. Nun haben wir ein weiteres Experiment gestartet: Crowdfunding. Wir suchen nämlich noch Unterstützer für diese Idee eines qualitativ hochwertigen, frei zugänglichen Lernmaterials für Wissensmanagement. Deshalb gibt es unser Projekt jetzt auf einer Crowdfunding-Plattform.
Dort gibt es detaillierte Info zu unserer Idee und zu den Möglichkeiten, diese zu unterstützen – inklusive eines Teaser-Videos. Man kann dort auch einfach Fan werden und das Projekt ideell unterstützen.

Wir freuen uns über jede Form der Unterstützung. Und natürlich über Feedback zu dieser Idee.