Wissensmanagement

Digitale Selbstverteidigung

Haben Sie schon einmal den Begriff ‚digitale Selbstverteidigung‘ gehört? Dabei geht es weniger darum sich vor Hackerangriffen zu schützen, sondern darum sich vor dem ganz legalen Abgreifen von Daten zu schützen oder, wenn nicht zu schützen, so doch zumindest Transparenz darüber herzustellen, wer welche persönlichen Daten (wie) nutzt. Ist diese Transparenz doch Grundvoraussetzung im Sinne einer informationellen Selbstbestimmung selbst darüber zu entscheiden, ob diese Daten verfügbar sein sollen oder nicht. Auch wenn die Entscheidung zu einer Datenverweigerung in der Regel einen deutlichen Komfortverlust bedeutet.

Denn Social Scoring funktioniert vor allem deshalb so gut und so unwidersprochen, weil wir erschreckend bequem sind. Bei Social Scoring werden frei im Internet verfügbare persönliche Daten von Algorithmen verknüpft und zu einem Wert zusammengemischt. In China wird Social Scoring gerade in großem Maßstab eingeführt, um das Wohlverhalten der eigenen Bürger besser kontrollieren und letztlich erzwingen zu können. Gegen diese Sammelwut gibt es nicht nur deshalb kaum Widerstand, weil Widerstand in einem totalitären Regime selten eine gute Idee ist, sondern vor allem, weil es so schön bequem ist, eben online zu bestellen (und dabei Daten zu hinterlassen), mit Karte zu bezahlen (und dabei Daten zu hinterlassen) usw.

Wir müssen also gar nicht nach China schauen, um uns – ohne allzu große neurotische Veranlagung – an so manches Szenario aus Orwells Roman ‚1984‘ erinnert zu fühlen.

Wenn Sie nun Ihre digitale Selbstverteidigung stärken wollen, können Sie sich hier informieren:

Warum ist digitale Selbstverteidigung ein Thema in einem Blog zu Wissensmanagement? Nun, weil aus Daten Informationen generiert werden, aus denen dann Rückschlüsse gezogen und Überzeugungen gewonnen werden – Wissen eben – die Grundlage für Entscheidungen und Handlungen sind. Daher können wir auch als Wissensmanager das, was im Bereich das Daten, also am Fuße der wohl bekannten Northschen Treppen passiert, nicht ignorieren.

Macht die digitale Transformation Wissensmanagement obsolet?

Macht die digitale Transformation Wissensmanagement obsolet?
Bildquelle: integrify.com

Diese Frage stellte mir zum Jahresauftakt einer meiner Kunden in einem KM Strategy Talk, den wir regelmäßig führen. Anlass also, mich etwas intensiver mit dem Verhältnis von Digitalisierung und Wissensmanagement gedanklich auseinanderzusetzen. Hier meine Ideen (die Sie gerne kommentieren oder weiterführen dürfen):

  • Trotz vieler verheißungsvoller oder auch erschreckender Zukunftsszenarien, die mit Blick auf das maschinelle Lernen und künstliche Intelligenz entworfen werden, befinden wir uns beim Thema Digitalisierung in den Organisationen heute de facto nach wie vor auf der Stufe Daten- und Informationsmanagement. Wenn wir an die Northsche Wissenstreppe denken, kann eine wesentliche Aufgabe von Wissensmanagement darin bestehen, den Schritt von Daten und Informationen zu Wissen, zu unterstützen. Dieser ist m.E. derzeit noch in den meisten Szenarien ein zu tiefst menschlicher. Das ist nun gewiss nicht neu, doch wird diese Aufgabe aufgrund des (über)mächtigen Drucks, den die Fülle an Daten und Informationen ausübt, drängender. Dazu kann die Aufbereitung von Daten und Informationen, Stichwort Visualisierung, ebenso gehören wie das Erlernen der Kunst, die richtigen Fragen zu stellen und die Antworten zu verstehen. Wissensmanagement also unmittelbar an der (technischen) Schnittstelle zum Daten- und Informationsmanagement.
  • Nicht nur die Unternehmen, auch die Menschen sind mit der Daten- und Informationsflut überfordert (vgl. Artikel der RWTH Aachen). Der Bedarf an Überblickswissen, an Prozess- und Systemverständnis steigt. Auch hier kann Wissensmanagement Nutzen stiften:
    • in einer zunehmenden Verschmelzung von Wissensmanagement und Personalentwicklung im Sinne eines corporate learning durch die Unterstützung prozessintegrierten und kontinuierlichen Lernens
    • durch die Befähigung zum persönlichen Wissensmanagement (auch mit dem Ziel einer ausgeprägten Ignoranzkompetenz) mit dem Ziel der produktiven Wissensarbeit
    • durch die Unterstützung einer Vernetzung der Köpfe als Gegenpol zur Vernetzung von Daten und Informationen; gerade in Zeiten der Digitalisierung ist der Community-Gedanke vielleicht einer der wirkmächtigsten
  • Natürlich wird auch die Zusammenarbeit immer stärker virtualisiert (dezentrale Teams, mobiles Arbeiten usw.). Vielleicht ist ja Virtualisierung viel eher das Neue, das wir aktuell erleben, und nicht die Digitalisierung, die ja im Grunde mit dem Rechnerzeitalter schon vor Jahrzehnten begonnen hat. Aber das ist ein anderes Thema. Für die Kollaboration in virtuellen Teams und Netzwerken gibt es zahlreiche smarte IT-Tools, doch auch hier erleben wir in vielen Organisationen ein Scheitern, weil der Bedarf an Orientierung nicht erkannt, oder nicht akzeptiert wird. Hier kann Wissensmanagement konkrete Use Cases, gegebenenfalls heruntergebrochen auf entsprechende Templates, entwickeln, die diese Form der Kollaboration und des Wissensaustausches optimal unterstützen. Mit Blick auf den Einzelnen passiert etwas ähnliches ja gerade mit den so genannten digital workplaces. Auch hier sollte Wissensmanagement seine Perspektive einbringen, denn der digital workplace ist in erster Linie ein knowledge workplace.
  • A propos, workplace: Bei aller Digitalisierung und Virtualisierung hat in den letzten Jahren auch die Frage nach der besten physischen Arbeitsumgebung mächtig Fahrt aufgenommen. Organisationen investieren deutlich in neue Bürokonzepte usw. Auch hier kann und sollte sich Wissensmanagement einbringen: Wie können Kommunikation und Wissensfluss, aber auch konzentrierte individuelle Wissensarbeit durch entsprechende räumliche Settings unterstützt werden?
  • Und schließlich, bleibt eine alte Herausforderung nicht nur erhalten, sondern gestaltet sich in Zeiten rasanten Wandels und anflutender Daten und Informationen ungleich drängender, nämlich die Frage nach dem relevanten Wissen – für die Organisation genauso wie für den Einzelnen, mit Blick auf Hier und Heute genauso wie mit Blick auf die Zukunft. Es wird Zeit, Wissensmanagement als strategischen Akteur zu positionieren!

Die Project Handover Map

Die Project Handover Map
Budapest

In der letzten Woche habe ich am ungarischen Standort eines deutschen Kunden ein Training zur Methode Expert Debriefing gehalten, also zum Wissenstransfer beim Wechsel bzw. Weggang von Mitarbeitenden. Wir waren gespannt, inwieweit diese Methode, die sich in den letzten Jahren im deutschsprachigen Raum bewährt und verbreitet hat, auch in einem internationalen Kontext funktionieren kann. Für alle Debriefer die beruhigende Nachricht: sehr gut – zumindest in einem Kontext, der dem deutschen noch nicht allzu unähnlich ist.

Interessant während dieses Trainings war jedoch vor allem eine andere Sache: Wie auch schon bei Trainings an den deutschen Standorten des Konzerns war ein Handover im bzw. von Projekten stark im Fokus. Also weniger der Transfer einer gesamten Job Role mit unterschiedlichen Aufgabenbereichen als vielmehr die Übergabe eines Projekts insgesamt oder aber einer (tragenden) Rolle in einem noch laufenden Projekt.

Die Mitarbeiterin meines Kunden, die lokal in Budapest das Expert Debriefing sehr engagiert vorantreibt, hatte sich dazu bereits Gedanken gemacht, die wir im Workshop gemeinsam reflektiert und die ich im Anschluss noch einmal modifiziert habe. Die Idee ist, eine angepasste Grundstruktur der Mindmap dem Debriefing-Prozess, der weiterhin aus einer Reihe von Gesprächen / Interviews bestehen wird, zugrunde zu legen. Hier der aktuelle Stand der Überlegungen:

(c) Gabriele Vollmar

Wie ist Ihre Meinung? Haben wir an die wesentlichen Punkte für eine Projektübergabe gedacht?

Ich freue mich auf ein kurzes Feedback.

P.S.: Wenn Sie sich grundsätzlich für die Methode Expert Debriefing für den Wissenstransfer beim Personalwechsel interessieren, finden Sie hier ein kurzes Erklärvideo.

 

 

 

Zur Rolle von Bibliotheken in der Informationsgesellschaft

Zur Rolle von Bibliotheken in der Informationsgesellschaft
Bibliothek meiner Heimatstadt Reutlingen

Wie wir alle wissen, gibt es Wissensmanagement irgendwie schon immer – vor allem in (öffentlichen) Bibliotheken. Leider sind diese in den letzten Jahren ein wenig aus unserer Wahrnehmung verschwunden. Oder wann waren Sie das letzte Mal in Ihrer Stadtbibliothek? Hat Ihr Unternehmen eine Bibliothek? Die Sie nutzen?

Ein sehr interessantes Radio-Feature zur Rolle der Bibliothek in der Informationsgesellschaft hören Sie hier mit Hannelore Vogt, Direktorin der Stadtbibliothek in KölnClaudia Lux, Professorin für Bibliotheks- und Informationswissenschaft an der Berliner Humboldt-Universität und Andreas Mittrowann, Coach für Strategieentwicklung.

Brauchen wir Bibliotheken noch in Zeiten des Internets? Und welche Rolle können Sie für unser Lernen immer noch oder immer wieder neu spielen?

 

Bildquelle: Stadt-Reutlingen.de

Gehung statt Sitzung

Gehung statt Sitzung
Weg Alpen

Aufgeschnappt: Die Neurowissenschaftlerin Manuela Macedonia hat im Rahmen ihrer Disseration am Max-Planck-Institut Leipzig untersucht, wie sich Bewegung auf die Gehirnleistung auswirkt. Sie hat herausgefunden, dass körperliche Aktivitäten wie Gehen, Schwimmen oder Fahrradfahren dafür sorgen, dass das Gehirn optimal arbeitet. Denn durch Bewegung würden verschiedene Prozesse angekurbelt, z. B. das Nervenwachstum oder die Vernetzung der Gehirnzellen.

Also, nichts wie raus!

neues Erklärvideo online: Der reflective practitioner als Grundhaltung im persönlichen Wissensmanagement

Aktuell arbeite ich an zwei Studienheften für die Fernhochschule Hamburg, eines zum Thema organisationales Wissensmanagement und eines zum Thema persönliches Wissensmanagement. Ein guter Anlass, sich selbst einmal wieder – jenseits der täglichen (Beratungs-)Praxis – vertiefter mit diesen Themen auseinanderzusetzen und im Weltwissensfundus zu stöbern.

Bei den Recherchen zum persönlichen Wissensmanagement bin ich dabei auf ein Konzept gestoßen, das bereits in den 80er Jahren entstanden ist: der reflective practitioner, der reflektierende Praktiker.

Für mich DIE entscheidende Grundhaltung für das persönliche Wissensmanagement. Deshalb gibt es dazu nun ein neues Erkärvideo (Dauer 3 Min 07):

Und. Haben Sie heute schon bewusst reflektiert?

Ausbildung zum Wissensmanager, zur Wissensmanagerin – jetzt anmelden und im Oktober starten!

Zur ausklingenden Sommerpause, möchte ich nochmals auf die Möglichkeit einer Ausbildung zum Wissensmanager, zur Wissensmanagerin hinweisen, die im Oktober mit dem dritten MOOC Wissensmanagement starten wird.

Die Ausbildung verfolgt den so genannten flipped classroom-Ansatz, d.h. Phasen des Selbststudiums durch die Teilnahme am MOOC werden ergänzt durch zwei intensive anderthalbtägige Präsenzphasen, jeweils Donnerstag / Freitag zum konkreten gemeinsamen Arbeiten, Erfahrungsaustausch, Ausprobieren, Praxisreflexion usw.

Inhaltlich folgt die Ausbildung dem aktuellen Stand des Kompetenzprofils Wissensmanager der Gesellschaft für Wissensmanagement e.V.

Die Fortbildung kann, auf Wunsch, mit einem Zertifikat abgeschlossen werden.

Seien Sie dabei! Wie gesagt, die ersten Plätze unserer bewusst sehr klein gehaltenen Gruppe sind bereits belegt. Detaillierte Informationen gibt es in diesem Flyer.

Bei Fragen bitte einfach an mich wenden!

 

P.S.: Natürlich können Sie auch einfach wieder „nur“ am freien Angebot des WMOOC 2018 teilnehmen, der wie immer am 3. Oktober startet.

P.P.S.: Sie betreiben bereits erfolgreiches Wissensmanagement? Dann freuen wir uns, wenn Sie eine Live Session im WMOOC mit uns gestalten und Ihre Erfahrungen teilen. Bitte einfach bei mir melden!

Irrtümer im und über Wissensmanagement

Am Wochenende hatte ich mein Seminar „Wissensmanagement“ im Master-Studiengang „Personalentwicklung“ an der Technischen Universität Kaiserslautern. Dieses Modul ist als flipped classroom konzipiert, d.h. die Studierenden eignen sich die theoretischen Grundlagen schon in Vorbereitung auf die Präsenzphase im Selbststudium über 2 Studienbriefe an. Dadurch steht das Wochenende zur Verfügung für den intensiven Austausch und rege Interaktion.

Als Dozentin überlasse ich es weitgehend den Studierenden, ein wenig wie in einem Barcamp, die Agenda für das Wochenende zu bestimmen. Dazu können Sie am Freitag Abend, gewissermaßen zum Auftakt, Arbeitsthemen auf Moderationskarten für die beiden nächsten Tage vorschlagen. An diesem Wochenende habe ich am Freitag Abend in diesem Stapel einen interessanten Themenwunsch gefunden: Irrtümer im Wissensmanagement.

Sehen Sie hier, was die Studierenden und ich uns gemeinsam dazu haben einfallen lassen:

Irrtümer im WM

Vielleicht haben Sie Ergänzungen?