Wissensmanagement

Wissensmanagement bei der Asian Development Bank – WMOOC Session Aufzeichnung

Seit gestern ist die Aufzeichnung einer Live Session noch aus dem letzten WMOOC veröffentlicht: Wissensmanagement mit der Zukunft – Beispiele von der Asiatischen Entwicklungsbank mit Susan Roth, Chief of Knowledge Management bei der ADB. Ein lohnender Blick über den (deutschen) Tellerrand! (Dauer: 52’02 Min.)

Die Nachbearbeitung der Aufzeichnungen aus dem WMOOC 2023 läuft. Ich halte euch auf dem Laufenden. Allerdings hatten wir nun bereits zwei sehr anregende Sessions, die auf Wunsch des jeweiligen Unternehmens nicht veröffentlicht werden dürfen: einmal Von AR bis AI – digitales Wissensmanagement bei der EnBW AG und einmal Wissensmanagement in der Werkshalle bei Daimler Trucks. Es lohnt sich also immer live bei den Sessions dabei zu sein. Hier eine kleine Vorschau auf die nächsten:

  • 30.11. 13 Uhr: Anja Lorenz von der oncampus-Plattform über die Motivation hinter oncampus, Erfahrungen mit dem Aufbau einer solchen Plattform und deren Betrieb
  • 5.12. 11 Uhr: Thiemo von Gillhaußen von Congree über: Von der Terminologie zur Ontologie
  • 12.12. 17 Uhr: Karsten Ehms, Vorsitzender des Beirats der Gesellschaft für Wissensmanagement über Zero Bullshit Knowledge Management
  • 13.12. 17 Uhr: Angelika Mittelmann und Christine Erlach über ihre Mustersprache Wissenstransfer

Gäste sind bei den Live Sessions immer gerne willkommen. Bei Interesse bitte einfach bei mir melden!

Und wieder 2 WMOOC Live Sessions am 13. und 14.11.

Und wieder 2 WMOOC Live Sessions am 13. und 14.11.
WMOOC

Während der Laufzeit des Wissensmanagement-MOOC, also bis Mitte Januar, möchte ich diesen Blog nutzen, um auf die jeweils anstehenden Live Sessions hinzuweisen. Diese sind auch für nicht im WMOOC registrierte Interessierte offen. Am besten bei mir direkt melden, ich schicke dann die Einwahldaten, oder für den Newsletter im Wissensmanagement-Kursbuch registrieren. Dann erhalten Sie immer rechtzeitig die Einladung zur jeweils nächsten Live Session, schon mit Einwahldaten.

In den nächsten 2 Wochen gibt es nun erneut gleich 2 tolle Sessions:

Thema 1: K4DP – Knowledge for Development – Aktuelle Wissensmanagement-Initiativen weltweit mit Dr. Andreas Brandner (CEO K4DP und KMA Knowledge Management Austria)
Andreas Brandner berichtet über die Agenda und die Aktivitäten von K4DP und unterstützende Initiativen weltweit, z. B. in afrikanischen Ländern: „K4DP aims to include stakeholder groups from all over the world to create, drive, and implement the Agenda Knowledge for Development for better knowledge sharing and collaboration, increased competence in knowledge management, and better conditions for individual knowledge work.“
Der Vortrag ist in deutscher Sprache.
Termin: Montag, 13. November, 17 Uhr

Thema 2: Warum ist Wissensmanagement (auch) in der Produktion sinnvoll? Und wie kann sie dort gelingen? mit Larissa Uebereck (Qualitätsingenieurin Daimler Truck)
Im Vortrag berichtet Larissa von ihren Erfahrungen und Learnings aus der Qualitätssicherung im Sonderfahrzeugbau bei Daimler Truck. Dort hat sie unter Anwendung von Design Thinking Methoden in enger Zusammenarbeit mit den Mitarbeitenden die Wissensflüsse in der Qualitätssicherung untersucht, sowie einen Optimierungsansatz erarbeitet. Der Vortrag sensibilisiert für die Chancen und Problematiken von WM im Produktionsumfeld und hilft uns dabei zu erkennen, dass WM nicht nur für den klassischen Wissensarbeitenden, sondern auch für Produktionsmitarbeitende relevant ist.
Termin: Dienstag, 14. November, 16 Uhr

In der Regel werden die Live Sessions aufgezeichnet und die Aufzeichnungen auf dem Youtube-Kanal der Open Academy veröffentlicht. Für die Live Session am 14.11. mit Larissa Uebereck steht noch nicht abschließend fest, ob diese aufgezeichnet werden darf. Also am besten live dabei sein!

WMOOC Live Session zu Body of Knowledge

WMOOC Live Session zu Body of Knowledge
WMOOC

Ich freue mich sehr, dass Stefan Zillich, seines Zeichens Information Professional, auch in diesem Jahr wieder den WMOOC mit einer Live Session bereichert. Dieses Mal geht es um die Faktoren, die unseren Umgang mit Wissensbeständen (Bodies of Knowledge) maßgeblich beeinflussen können. Ein Body of Knowledge (BoK) bezeichnet den Wissensbestand einer fachlichen Disziplin und wird uns präsentiert von deren Vertretern. Unsere Entscheidung, einen BoK zu akzeptieren, hängt von dessen Inhalten ab. Doch es lohnt sich, noch weitere Faktoren zu beachten, die unseren Umgang mit Wissensbeständen maßgeblich beeinflussen.
Stefan Zillich (re:Quest, Berlin) weist auf die Rolle von Meta-Information über Wissensbestände hin. Er stellt vor dem Hintergrund von Erfahrungen und Projekten Ideen und strukturierte Fragen vor, die uns einerseits beim Entscheidungsprozess für oder gegen einen BoK unterstützen. Andererseits lassen sich daraus Punkte ableiten, mit denen die Herausgeber eines BoK dessen Akzeptanz erhöhen können.

Also: Mittwoch, 9. November 16 Uhr: Ist das m/ein Body of Knowledge mit Stefan Zillich (re:Quest). Bei Interesse bitte bei mir melden, ich sende die Einwahldaten zu!

Diese Session ist übrigens eine Fortführung einer Session aus dem WMOOC 2022. Es ist aber keine Voraussetzung, diese vorab anzuschauen!

Feedback erbeten: Mindmap Wissensmanagement

Im letztjährigen WMOOC hat Sonja Kaiser, einer der Teilnehmerinnen, angefangen das neu Gelernte zum Thema Wissensmanagement in einer persönlichen Mindmap zu verarbeiten. Daraus ist eine GfWM-Fachgruppe entstanden (neben Sonja waren das Sabine Wax, Martin Harnisch, Florian Schmuhl, Dirk Liesch und ich), in der wir seit Anfang des Jahres an einer solchen Übersicht und Orientierung zum Thema Wissensmanagement arbeiten.

Nun möchten wir gerne den aktuellen Stand vorstellen und Feedback einholen. Dazu lädt die GfWM herzlich ein (und ich natürlich auch). Seid dabei! Anmeldung bitte direkt über die Website der GfWM:

Übrigens, da der Termin in die Vorweihnachtszeit fällt, laden wir nicht nur zum Gespräch, sondern auch zum Tee. Wer sich meldet, bekommt einen Tee per Post!

WMOOC 2023 gestartet

WMOOC 2023 gestartet
WMOOC

Letzte Woche, wie immer am 3. Oktober, ist der mittlerweile 7. Wissensmanagement-MOOC von Dirk Liesch und mir gestartet. Und wieder wird es inspirierende Live Sessions geben, bei denen auch Nicht-MOOC-Teilnehmer:innen dabei sein können. Am besten registrieren Sie sich für den WMOOC-Newsletter, um die Einladungen inklusive der Einwahldaten immer rechtzeitig zu bekommen. Hier schon mal eine kleine Vorschau auf einige der anstehenden Themen und Referent:innen:

  • 19. Oktober, 16 Uhr: Dirk Liesch berichtet über ein weiteres seiner Open Education Projekte, bei dem Smart Object Learning zur Anwendung kommt.
  • 24. Oktober, 17 Uhr: Manuel Mukkenfuß berichtet über das Wissensmanagement bei der EnBW AG mit einem Fokus auf dem Einsatz Künstlicher Intelligenz und Datenbrillen.
  • 9.11., 16 Uhr: Stefan Zillich setzt seine Live Session aus dem letzten Jahr zum Thema BOOK of Knowledge fort.
  • 13.11, 17 Uhr: Dr. Andreas Brandner, Gründer und CEO von Knowledge Management Austria KMA, berichtet über aktuelle Wissensmanagement-Initiativen in Afrika.
  • 14.11., 16 Uhr: Larissa Übereck von Mercedes Benz Trucks stellt ein innovatives Konzept für Wissensmanagement auf dem so genannten Shopfloor, also den Nicht-PC-Arbeitsplätzen vor.
  • 5.12., 11 Uhr: Thiemo von Gillhaußen von Congree berichtet, wie Terminologie und Ontologie zusammenhängen und was eine Ontologie für das Wissensmanagement leistet.
  • 12.12., 17 Uhr: Karsten Ehms, Wissensmanagement-Experte und Mitglied des Fachbereits der Gesellschaft für Wissensmanagement, stellt sein Konzept des Zero Bullshit Wissensmanagements vor.
  • Weitere noch nicht final terminierte Zusagen haben wir von Dr. Angelika Mittelmann (Mustersprache Wissenstransfer), Erik Schulz (Wissensmanagement bei DB Engineering), Prof. Ulrike Fasbender, Uni Hohenheim (Motivieren für Wissensmanagement) und einige andere…

Es wird also auch in diesem Jahr wieder intensiv, praxisorientiert und anregend. Wir freuen uns.

Wenn Sie nicht „nur“ bei den Live Sessions dabei sein möchten, sondern beim gesamten WMOOC, ist es noch nicht zu spät. Registrieren können Sie sich jederzeit auf der oncampus-Plattform.
Wir sehen uns!

WMOOC geht am 3. Oktober in die 7. Runde

WMOOC geht am 3. Oktober in die 7. Runde
WMOOC

Nun schon zum siebten Mal startet der Wissensmanagement-MOOC traditionsgemäß am 3. Oktober. Mehr als 2.000 registrierte Teilnehmende haben in den letzten Jahren über insgesamt 4 Monate hinweg, theoretische Grundlagen zu Wissensmanagement erworben und in zahlreichen Live Sessions deren Anwendung mit Vertretern der Praxis diskutiert. Für alle, die noch nicht dabei waren, besteht nun wieder die Gelegenheit. Und natürlich sind auch alle willkommen, die schon in den vergangenen Jahren dabei waren; die Live Sessions sind ja immer wieder neu und inspirierend und für alle Interessierte offen.

Entlang eines bewährten Curriculums, das sich am Kompetenzkatalog Wissensmanagement der GfWM orientiert, lernen die Teilnehmenden in vier jeweils dreiwöchigen Modulen die Grundlagen von Wissensmanagement kennen, erfahren sie, wie Wissensmanagement konkret eingeführt werden kann, erhalten sie einen Überblick über Werkzeuge und Methoden und lernen von zahlreichen Praxisbeispielen.

Dem WMOOC liegt das Freie Kursbuch Wissensmanagement zugrunde. Neben diesen Inhalten haben die Teilnehmenden die Möglichkeiten in wöchentlichen Live Sessions in den Dialog zu treten mit Vertreter:innen der Wissensmanagement-Praxis in unterschiedlichen Organisationen sowie mit bekannten Wissensmanagement-Expert:innen wie z. B. in den letzten Jahren Peter Pawlowsky, Klaus North, Pavel Kraus, Angelika Mittelmann. Angelika wird auch in diesem Jahr mit ihren Transfernaut:innen zum Thema ‚Mustersprache Wissenstransfer‘ dabei sein. Außerdem haben wir bereits Zusagen von tollen Praxisbeispielen wie EnBW, Mercedes-Benz Trucks und Deutsche Bahn Engineering. Und auch Fachexpert:innen haben bereits für Live Sessions zugesagt, neben Angelika Mittelmann aktuell Andreas Brandner von KMA zu Wissensmanagement-Initiativen in Afrika und Ulrike Fasbender von der Universität Hohenheim zum Allzeit-Thema ‚Motivieren für Wissensmanagement‘.

Eine Teilnahme am MOOC ist auch in diesem Jahr wieder kostenfrei, anmelden kann man sich über die oncampus-Plattform der Universität Lübeck.

Begleitend zum WMOOC wird für alle Interessierten eine kostenpflichtige Fortbildung zum:zur Wissensmanagement-Professional angeboten. Diese ergänzt das Online-Angebot des WMOOC um zwei Präsenzwochenenden (November und Januar) zum intensiven Erfahrungsaustausch und Praxiserproben in einer kleinen Gruppe. Mit einer Teilnahme an der Ausbildung wird gleichzeitig der WMOOC als kostenfreies OER (Open Education Resource) für alle unterstützt. Informationen und Anmeldung: https://wissensmanagement.open-academy.com/wp-content/uploads/2023/03/wissensmanagement_professional_ausbildung_2023_20230305.pdf

Wir freuen uns auf den WMOOC 2023! Seien Sie dabei!

Knowledge sharing in a public museum

In the last months, Dirk and I (the two coordinators of the German Knowledge Management MOOC, WMOOC) had quite difficulties re-editing the recordings of the WMOOC live sessions due to numerous new projects. But now Dirk is thankfully investing holiday time in exactly this task (Thank you so much, Dirk!!) and finally the fascinating session on Knowledge sharing as a part of project knowledge management in one of Polish public museums with Kamila Brodzińska from Jagiellonian University in Kraków is online (duration 53’56 min). As you may have guessed from the language of this post the session was held in English. Enjoy!

BTW, this year’s WMOOC will again start on October 3rd, just as the accompanying qualification to become a Knowledge Management Professional. Further information on latter can be found here. So, register to become part of the WMOOC community!

Warum Wissensmanagement? Zahlen, Daten, Fakten

Für den heutigen Post gibt es zwei Gründe:

  1. Wissensmanager:innen sind immer auf der Suche nach griffigen und Controlling-kompatiblen Argumenten, warum Wissensmanagement für die eigene Organisation wichtig ist.
  2. Ich nutze diesen Blog auch als Instrument meines Persönlichen Wissensmanagement und hoffe, im gegebenen Fall die folgenden Informationen hier selbst wieder zu finden 😉
  3. Marco Dettloff, Student an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, hat für die Einleitung seiner Hausarbeit, die er bei mir als Prüfungsleistung schreiben musste und die ich gerade lese, dankenswerter Weise die folgenden Zahlen recherchiert. Danke, Marco!

Hier nun die nützlichen Argumente:

  • Prognos (2012): Der Anteil von produktionsnahen Tätigkeiten in Deutschland wird bis zum Jahr 2024 auf unter 20 Prozent sinken wird, während Tätigkeiten zur Schaffung und Verarbeitung von Informationen und Wissen bereits über 20 Prozent ausmachen werden.
  • International Data Corporation (2018): In US-amerikanischen Unternehmen werden im Durchschnitt 30 Prozent der Arbeitszeit für die Beschaffung und die Aufbereitung von für die ausgeübte Tätigkeit notwendigem Wissen benötigt.
  • IAB-Kurzbericht Nr. 14 (2014): Die durchschnittliche Beschäftigungsdauer beim selben Arbeitgeber der Jahrgänge 1978/1979 ist im Vergleich zu den Jahrgängen 1961/1962 bereits um rund 22 Prozent zurückgegangen.
  • Diese Entwicklung dürfte sich in den letzten Jahren eher noch verschärft haben. Dazu ein wenig eigene Recherche:
    – Bundesagentur für Arbeit (2022): Bei mehr als der Hälfte der Arbeitsplätze fand 2021 ein Personalwechsel statt. Branchenübergreifend ist im Durchschnitt 2021 ungefähr jede dritte Stelle neu besetzt worden.
    – Forsa (2022): 14 Prozent aller befragten 18-bis 29-Jährigen haben einen konkreten Wechselwunsch für das Jahr 2023. 37 % aller befragten Arbeitnehmer:innen sind 2022 offen für einen neuen Job oder haben sogar bereits konkrete Schritte in die Wege geleitet – das sind vier Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Unter den 30- bis 39-Jährigen ist fast jeder Zweite (48 %) bereit, zu einem neuen Arbeitgeber abzuwandern.
    – Prognos (2015): Bis 2020 haben wir in Deutschland eine Fachkräftelücke von 1,8 Millionen Personen, diese Lücke wird bis 2040 auf 3,9 Millionen anwachsen.
    – Wirtschaftswoche (2023): 75 Prozent der über 50-Jährigen und 57 Prozent der Befragten im Alter von 40 bis 49 Jahren bevorzugen eine langfristige Bindung an ihren aktuellen Arbeitgeber. So befinden sich etwa die Hälfte der Beschäftigten seit mindestens zehn Jahren bei ihrem aktuellen Arbeitgeber. Rund 50 Prozent der über 40-Jährigen können sich vorstellen, bis zur Rente in ihrem derzeitigen Beschäftigungsverhältnis zu bleiben.
  • Statistisches Bundesamt (2022): Bis 2036 knapp werden 13 Millionen Erwerbstätige in Deutschland das Renteneintrittsalter erreichen.

Praxisnahe Informationen rund um Wissensmanagement

Praxisnahe Informationen rund um Wissensmanagement
Website Johannes

Es macht schon ein wenig stolz, wenn einer unserer Wissensmanagement MOOC Teilnehmer nun mit einer eigenen informativen Website an den Start geht. So geschehen mit Johannes Dorf, wiederholt und sehr engagiert beim WMOOC dabei, der auf Wissensmanagement praxisnah + verständlich sein in Theorie und Praxis erworbenes Wissen nun seinerseits als offen zugänglichen Inhalt weitergibt. Diese Initiative bewerbe ich hier gerne. Vielen Dank, Johannes.

Ist eine KI kreativ?

Im letzten Blog-Post ging es um die Frage, ob eine Künstliche Intelligenz (KI) tatsächlich intelligent ist oder Intelligenz nur simuliert. Dabei sollten wir es uns nicht zu einfach machen und aus einer gewissen anthropozentrischen Hybris heraus Intelligenz schlicht als eine genuin menschliche Eigenschaft deklarieren. Denn es kommt darauf an, wie man Intelligenz definiert. Aber halt, das stand ja alles schon im letzten Post.

Dieser endete mit der Aussage, KI sei aufgrund ihrer Funktionsweise (Statistik + Stochastik) strukturkonservativ und damit also nicht kreativ (für einige Intelligenz-Konzepte ist Kreativität ein Element von Intelligenz). Fragt man, mal wieder, Chat GPT selbst, ist die Antwort verhalten diplomatisch (in Auszügen):

Als KI-System bin ich in der Lage, bestimmte Formen der Kreativität auf der Grundlage der Daten und des Wissens zu zeigen, die mir zur Verfügung gestellt werden.

Kreativität zeigen ist etwas anderes als kreativ sein, nicht wahr? Man könnte auch wieder das Verb ’simulieren‘ verwenden, das schon in mehreren vorausgegangenen Posts aufgetaucht ist. So hat eine KI wie ChatGPT mittlerweile gelernt, dass Gedichte oder Songtexte dann als besonders kreativ wahrgenommen werden, wenn darin unerwartete Wörter auftauchen, die Wahrscheinlichkeit, auf der die Texte an sich basieren, also durchbrochen wird. Das hier angewandte Verfahren nennt sich temperature sampling:
Dabei wird die Wahrscheinlichkeiten der generierten Texte manipuliert, indem eine ‚Temperatur‘ angewandt wird, die die Entropie oder Unvorhersehbarkeit des generierten Textes steuert. Konkret bedeutet dies, dass bei höheren Temperaturen die Wahrscheinlichkeit der Auswahl von weniger wahrscheinlichen Wörtern erhöht wird, was zu einer größeren Diversität des generierten Textes führt. Bei niedrigeren Temperaturen hingegen werden nur die am wahrscheinlichsten vorausgesagten Wörter ausgewählt, was zu einer höheren Vorhersehbarkeit des Textes führt. Damit wird der Eindruck von Kreativität erzeugt.

Es bleibt aber beim bloßen Eindruck von Kreativität, denn noch immer basiert alles – auch die gewählte ‚Temperatur‘ – auf Mustern und Strukturen, die in Trainingsdaten vorhanden sind. KI trifft keine bewussten Entscheidungen, sie hat keine eigenen Ziele und Motivationen. Die von KI-Systemen erzeugten Werke können originell sein, aber sie sind nicht das Ergebnis von emotionaler Intuition, Selbstausdruck oder Erfahrung wie es bei menschlicher, vor allem tatsächlich künstlerischer Kreativität der Fall ist.

Dies stellt jedoch bereits hohe Ansprüche an Kreativität. Für die – nennen wir es mal – Alltagskreativität taugt die KI durchaus: einen neuen Slogan finden, eine gute Überschrift für einen Text, eine passende Visualisierung für ein Konzept, Multiple-Choice-Fragen für eine Klausur… Auch wir Menschen sind in unseren vermeintlich kreativen Phasen nicht immer disruptiv kreativ, sondern wandeln lediglich Bekanntes ab.

Aber vielleicht ist die Frage weniger, inwieweit uns eine KI in Sachen Kreativität ersetzen kann, sondern wie sie uns dabei helfen kann selbst kreativer zu werden. Diese These vertritt zum Beispiel Ethan Mollick, der Innovation an der Universität von Pennsylvania lehrt: Er plädiert dafür, ChatGPT als Sparingspartner beim Brainstorming zu nutzen, denn ChatGPT produziert viele Ideen. Und unter vielen ist eventuell auch eine gute oder eine, die uns selbst inspiriert. Und hier kommt Go ins Spiel: Am 15. März 2016 schlug zum ersten Mal eine KI den menschlichen Go-Weltmeister. Ein Forscherteam der Universitäten Hongkong, Yale und Princeton ließ fast sechs Millionen menschliche Go-Spielzüge aus der Zeit 1950 bis März 2016 analysieren, mit dem Ergebnis, dass die Züge sich nicht verbessert hatten. Vielmehr war über die Jahre eine große Routine eingekehrt, eine Wiederholung des Bewährten anstatt innovatives Spielen. Und dann kam der Computer und plötzlich wurde das menschliche Spiel wieder kreativer und dadurch qualitativ besser, so die Erkenntnis des Forscherteams, das noch Daten bis 2021 ausgewertet hat. Dabei haben die Menschen keineswegs die neuen Ideen der KI nachgeahmt. Sie haben (wieder) eigene entwickelt. Die KI hat sie herausgefordert: „Das Spiel des Computers war so anders, dass ich mich erst einmal daran gewöhnen musste. Ich habe festgestellt, dass ich noch mehr über Go lernen muss.“ (Sedol Lee, der vom Computer besiegte Go-Weltmeister).

Den Menschen ungewöhnliche Sichtweisen bieten und sie dadurch auf ganz neue Ideen zu bringen – das scheint eine unerwartete Stärke von KI zu sein.