Allgemein

Zum Nutzen von Wissen

An diesem Wochenende habe ich an der Universität Passau für Studierende ein Seminar zu persönlichem Wissensmanagement gegeben. Als kleine Übung sollten Sie eine Concept Map zum Thema „Persönliches Wissensmanagement“ erstellen. Auf einer der Maps habe ich mich über folgende Beziehung zwischen den Knoten „Wissen“ und „Ziele“ sehr gefreut: Wissen verwirklicht Ziele.

Zum Glück gibt es Probleme

Haben Sie auch schon mal Folgendes gehört? „Ich will nichts von Problemen hören. Komm wieder, wenn du eine Lösung hast!“ Lösungsorientierung, seit Jahren das Zauberwort in Organisationen. Dabei sollten wir vielleicht eher eine offene Problemorientierung fördern, und zwar im Sinne eines nachhaltigen Lernens.

Dazu einige Zitate als Denkfutter für diese Woche:

„Probleme erweitern die Grundlage unserer Erfahrung und helfen uns so, sinnvollere Lösungen zu finden.“ Dalai Lama

„The mere formulation of a problem is far more often essential than its solution, which may be merely a matter of mathematical or experimental skill. To raise new questions, new possibilities, to regard old problems from a new angle requires creative imagination and marks real advances in science.“ Albert Einstein

„Es ist besser, ein Problem zu erörtern, ohne es zu entscheiden, als zu entscheiden, ohne es erörtert zu haben.“ Joseph Joubert

Also, stellen wir uns den Probleme und damit den Herausforderungen, aber auch Möglichkeiten (zu lernen), die sie uns bieten!

Qualität und Wissen, Wissen und Qualität

Qualität und Wissen, Wissen und Qualität
Metroplan Shanghai

Am Dienstag dieser Woche habe ich als Mitglied des Fachkreises „Qualitätsmanagement und Wissensmanagement“ von DGQ und GfWM den diesjährigen Qualitätstag der DGQ besucht und dort gemeinsam mit Ute John einen sehr lebendigen Workshop moderiert: Entwicklung eines kreativen Konzepts für agiles Wissensmanagement (oder doch Wissensmanagement in einer agilen Organisation? oder Wissensmanagement zur Agilisierung einer Organisation?…). Doch über diesen Workshop wollte ich gar nicht berichten, sondern ein wenig darüber, was ich auf dem Q-Tag hier und da aufgeschnappt habe:

Ein Referent meinte: „Qualität entsteht aus der Vernetzung von Daten und aus der Vernetzung von Menschen.“ Nun, ersetze ‚Qualität‘ durch ‚Wissen’…!

Außerdem wurde in einem Vortrag angemahnt, die Wirksamkeit von Maßnahmen zum Qualitätsmanagement intensiver zu monitoren und kritischer zu hinterfragen. Nun, ersetze ‚Qualitätsmanagement‘ durch ‚Wissensmanagement’…!

Qualität und Wissen, Wissen und Qualität – wie ähnlich sich diese beiden Themen doch in vielen Punkten sind. Finden Sie nicht auch?

Insgesamt war die Veranstaltung beherrscht vom Gedanken der Agilität, Industrie 4.0 und der Vernetzung. Und da möchte ich Ihnen ein schönes Aufgeschnappt nicht vorenthalten, nämlich die Erkenntnis / These, dass die Netzwerke, in denen wir so wunderbar vernetzt sind, wabernde Netzwerke sind. Ein sehr schönes Bild, um die Volatilität und irgendwie auch Fragilität dieses Vernetzungszustandes zu beschreiben, finden Sie nicht auch?

Wissensschwere Produkte

Den interessanten Begriff der ‚wissensschweren Produkte‘ hat der Unternehmer Berthold Leibinger geprägt. Als Chef des überaus erfolgreichen schwäbischen Maschinenbauunternehmens Trumpf hat er schon sehr früh Produktionsstätten außerhalb Deutschlands gegründet. Er war der Überzeugung, dass man sich dort engagieren müsse, wo man seine Produkte auch verkaufe. Allerdings müsse dies nicht auf Kosten der Beschäftigung in Deutschland gehen, solange ein deutsches Unternehmen Produkte baue, in denen mehr Wissen stecke als in denen der Konkurrenz. Eben ‚wissensschwere Produkte‘. Vorsprung durch Wissen, nicht durch Rationalisierung! Nun, Trumpf wurde unter Leibinger und mit dieser Überzeugung von einem kleinen lokalen Maschinenbauer zum Weltmarktführer in seinem Bereich mit in 2017/18 3,57 Milliarden Euro Umsatz, erwirtschaftet von 13.500 Mitarbeitern, davon die Hälfte in Deutschland.

Was Berthold Leibinger, der findige Ingenieur und schwäbische Tüftler, auch noch sagte: Neugier sei eine seiner wichtigsten Eigenschaften, denn Neugier sei die Mutter der Fantasie.

Berthold Leibinger verstarb vergangene Woche in Stuttgart.

 

P.S.: Auf die Frage, wie ein familiengeführtes Unternehmen wie Trumpf auf eine Manipulation wie den Dieselbetrug bei VW reagieren würde, antwortete Leibinger noch im März diesen Jahres: „Wahrscheinlich würde es sofort mit Nachrüstungen beginnen. Nicht nur der Reputation willen oder um rechtliche Konsequenzen zu vermeiden. Gerade am Standort Deutschland, dem es so unendlich viel verdankt. Es würde eine neue Geschichte von Wirtschaft erzählen. Und kostete es auch die Hälfte seines Jahresergebnisses.“
Doch das ist eine andere Geschichte…

 

Aufgeschnappt

Satya Nadella, seit 2014 Vorstandsvorsitzender von Microsoft, hat es vor Kurzem geschafft, Microsoft in der Liste der wertvollsten Unternehmen wieder vor Google zu platzieren. Und zwar auch aufgrund einer gegenüber seinem Vorgänger radikal anderen Unternehmenskultur. Einer seiner Leitsätze für diesen Wandel, der mir persönlich gut gefällt (Ihnen vielleicht auch?): Aus Microsoft ein Unternehmen aus Besserlernern statt Besserwissern machen. Das passt nicht nur für Microsoft, oder?

Zur Rolle von Bibliotheken in der Informationsgesellschaft

Zur Rolle von Bibliotheken in der Informationsgesellschaft
Bibliothek meiner Heimatstadt Reutlingen

Wie wir alle wissen, gibt es Wissensmanagement irgendwie schon immer – vor allem in (öffentlichen) Bibliotheken. Leider sind diese in den letzten Jahren ein wenig aus unserer Wahrnehmung verschwunden. Oder wann waren Sie das letzte Mal in Ihrer Stadtbibliothek? Hat Ihr Unternehmen eine Bibliothek? Die Sie nutzen?

Ein sehr interessantes Radio-Feature zur Rolle der Bibliothek in der Informationsgesellschaft hören Sie hier mit Hannelore Vogt, Direktorin der Stadtbibliothek in KölnClaudia Lux, Professorin für Bibliotheks- und Informationswissenschaft an der Berliner Humboldt-Universität und Andreas Mittrowann, Coach für Strategieentwicklung.

Brauchen wir Bibliotheken noch in Zeiten des Internets? Und welche Rolle können Sie für unser Lernen immer noch oder immer wieder neu spielen?

 

Bildquelle: Stadt-Reutlingen.de

a teachable moment

A teachable moment is an unplanned opportunity that arises and where one has a chance to gain and offer insight.
A teachable moment is not something that you can plan for; rather, it is a fleeting opportunity that must be sensed and seized.

Wann hatten Sie Ihren letzten teachable moment?

Und was haben Sie dabei gelernt? Oder was konnte jemand anderes von Ihnen lernen?

 

Zitat nach www.thoughtco.com

Irrtümer im und über Wissensmanagement

Am Wochenende hatte ich mein Seminar „Wissensmanagement“ im Master-Studiengang „Personalentwicklung“ an der Technischen Universität Kaiserslautern. Dieses Modul ist als flipped classroom konzipiert, d.h. die Studierenden eignen sich die theoretischen Grundlagen schon in Vorbereitung auf die Präsenzphase im Selbststudium über 2 Studienbriefe an. Dadurch steht das Wochenende zur Verfügung für den intensiven Austausch und rege Interaktion.

Als Dozentin überlasse ich es weitgehend den Studierenden, ein wenig wie in einem Barcamp, die Agenda für das Wochenende zu bestimmen. Dazu können Sie am Freitag Abend, gewissermaßen zum Auftakt, Arbeitsthemen auf Moderationskarten für die beiden nächsten Tage vorschlagen. An diesem Wochenende habe ich am Freitag Abend in diesem Stapel einen interessanten Themenwunsch gefunden: Irrtümer im Wissensmanagement.

Sehen Sie hier, was die Studierenden und ich uns gemeinsam dazu haben einfallen lassen:

Irrtümer im WM

Vielleicht haben Sie Ergänzungen?

 

Schneller, weiter, kreativer?

Haben Sie zufällig das aktuelle Titelbild des Harvard Business Manager schon gesehen? „Schneller brainstormen. In 4 Minuten zur zündenden Idee“.

Klingt vielversprechend, oder? Oder doch irreführend? Denn…

Hat Kreativität nicht auch viel mit Muße zu tun? Brauchen Ideen nicht Zeit zum Reifen? Vor allem, wenn sie wegweisend sein sollen (ich verwende mal bewusst nicht das (Un-)Wort ‚disruptiv‘)?

Muße, also die Zeit, die der Mensch zur freien Verfügung hat, galt den Denkern der Antike als notwendiger Freiraum für schöpferisches Handeln und als angestrebter Gegenpol zur unfreien Slavenarbeit. Erst das Mittelalter sah in der menschlichen Muße eine Bedrohung (der herrschenden Macht- und Denkstrukturen): Müßiggang ist aller Laster Anfang. Vielleicht ja aber auch aller (ungewollten, weil revolutionären) Neuerung?

Protestantische Ethik und Frühkapitalismus haben sich diese Sicht zu eigen gemacht. Ja, und der Spätkapitalismus, in dem wir heute leben, hat die Muße in Form von Freizeit zwar wiederentdeckt, aber dabei auch weitgehend kommerzialisiert und ihrer notwendigen Leere beraubt.

Wäre es denn nicht nachhaltiger kreativ, anstatt in 4 Minuten zur nächsten scheinbar zündenden Idee zu hetzen, der persönlichen Muße wieder mehr Platz einzuräumen? Damit Ideen nicht in Sekunden verglühen, sondern wachsen, wurzeln und austreiben?

Ich gehe jetzt mal raus und denke darüber nach. In aller Ruhe.