Gedankenfundus oder Wrap up Tag 2 Kremser Wissensmanagement-Tage

campus krems

Auch an Tag 2 bleibt das Thema der Digitalisierung das beherrschende Thema an der Donau-Universität:

  • Eine interessante Fragestellung, die bereits am gestrigen Tag in einem leider viel zu kurzen Workshop mit Barbara  Geyer-Hayden von der FH Burgenland aufgeworfen wurde, ist, inwieweit sich Wissensmanagement im Kontext der Digitalisierung verändern wird/muss. Meine Überzeugung ist, dass Wissensmanagement sich viel stärker als bisher auf die Möglichkeiten der (effektiven!) Vernetzung der Köpfe konzentrieren sollte und zwar auf Kosten der althergebrachten und eigentlich längst gelösten Fragen der Wissensvorratshaltung in ihren unterschiedlichen Formen. It’s the Community, stupid! Und zwar die weltweite und virtuelle. Wie kann diese in ihrer Wissensarbeit wirkungsvoll unterstützt werden? Wie kann verhindert werden, dass durch die Virtualisierung die Effektivität von Kollaboration leidet? Ach, viele spannende Fragen, liebe Wissensmanager! Viel spannender als die nach der besten Struktur für den SharePoint.
  • Kollaboration und Vernetzung führen zu einem weiteren Schlagwort, dem der so genannten kollektiven Intelligenz. Dazu gab es einen – wie immer – interessanten Input von Lukas Zenk von der Donau-Uni zu einem aktuellen Forschungsprojekt dort. Darauf will ich aber nun gar nicht eingehen, sondern auf meine abschweifenden Gedanken: Ihren Anfang nahm diese Abschweifung beim richtigen Hinweis von Lukas Zenk, der Begriff ‚Intelligenz‘ komme vom lateinischen ‚intellegere‘, was schlicht ‚verstehen‘ heißt. Bedeutet kollektive Intelligenz dann schlicht, dass wir auf Basis eines gegenseitigen Verstehens ein gemeinsames Verständnis entwickeln und Sachverhalte in der Folge ähnlich verstehen und damit effektiv gemeinsam an einer Problemlösung arbeiten können?
  • Ach ja, Fragen über Fragen. Aber lieber komme ich von einer Konferenz mit spannenden Fragen zum Nachdenken zurück als mit langweiligen Antworten.
  • Auch ethische Fragen tun sich im Umfeld der digitalen Transformation auf: Zum Beispiel die Frage, ob ein Mensch immer wissen sollte, dass er nicht mit einem anderen Menschen interagiert, sondern mit einer Maschine. Was meinen Sie?
  • Herzlichen Dank an den Referenten Stefan Holtel für seinen Hinweis auf das Paper „Ironies of Automation“ von Lisanne Bainbridge. Die Ironie: …the more advanced a control system is, so the more crucial may be the contribution of the human operator. Schauen Sie selbst mal rein! Wenn wir nun also in komplexen oder Notfall-Situation doch den menschlichen Operator brauchen – und sei es nur, weil wir ihm mehr vertrauen – was heißt es dann für dessen Kompetenz, wenn ihm qua Automatisierung die Möglichkeiten beschränkt werden durch das Bearbeiten von Standardfällen notwendige Erfahrung und Routine zu erlangen. Wenn immer nur der Autopilot das Flugzeug steuert, wie sehr vertraue ich darauf, dass in einem Notfall der menschliche Pilot in der Lage ist souverän die richtigen Entscheidungen zu treffen?
  • Klaus North präsentierte seine Wissenstreppe als Wissenstreppe 4.0, also gewissermaßen gemappt auf Elemente der Digitalisierung. Das war interessant (keine Sorge, ein entsprechendes Buch ist in Arbeit, Sie können das also bald auch nachlesen). Er hat uns dazu aufgerufen, die Algorithmen hinter den Systemen zu verstehen, um die Kontrolle nicht an wenige Menschen, nämlich diejenigen, welche die Daten(Auswahl) und die Algorithmen definieren, abzugeben. Aber reicht das aus? Was ist mit den Algorithmen, welche die selbstlernenden Systeme autark fortschreiben bis zu dem Punkt der technologischen Singularität, an dem kein Mensch sie mehr verstehen kann? Wer hat dann die Kontrolle?

Fazit nach zwei Tagen Krems und „Wissen wird smart“: Die digitale Transformation wirft viele Fragen auf. Doch stellen wir auch die richtigen? Die wesentlichen? Wie beispielsweise die nach unseren digitalen Grundrechten? Können wir einfach davon ausgehen, dass die Digitalisierung den Leitsatz von der Unantastbarkeit der Würde des Menschen nicht berührt? Oder sollten wir uns jetzt darum kümmern? Zum Beispiel durch eine Charta der digitalen Grundrechte, die Bürgerinnen und Bürger der EU gerade erarbeiten. Arbeiten Sie doch mit: digitale Charta!

Gedankenfundus oder Wrap up Tag 2 Kremser Wissensmanagement-Tage


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