Die KI denkt

Die KI denkt
erstellt mit Midjourney

Kürzlich habe ich in der Frankfurter Sonntagszeitung Folgendes gelesen: „Die KI [Claude Code] (…) kann jetzt einen Workflow von vier Schritten eigenständig abarbeiten: lesen, also unstrukturierte Informationen aufnehmen; denken, also domänenspezifisches Wissen anwenden; schreiben, also strukturierte Ergebnisse produzieren; verifizieren, also das Ergebnis mit mit vorgegebenen Standards abgleichen. In der Wissensökonomie gibt es nicht viele Berufe, die sich nicht auf diese vier Bausteine herunterbrechen lassen.“

Natürlich hat mich die Aussage zum Denken der KI nun selbst ins Nachdenken gebracht. Findet hier tatsächlich ein Denkprozess und eine Anwendung von Wissen statt – was ja voraussetzt, dass eine KI über Wissen verfügt.

Laut Philosophischem Wörterbuch von Georgi Schischkoff werden unter ‚Denken‘ alle (psychologischen) Vorgänge zusammengefasst, die aus einer inneren Beschäftigung mit Vorstellungen, Erinnerungen und Begriffen eine Erkenntnis zu formen versuchen. Martin Heidegger beschreibt das Denken gar als einen Weg. Das zu-Denkende entzieht sich dem Menschen und zieht ihn mit. Weil sich das zu-Denkende dem Menschen entzieht und sich von ihm abwendet, nimmt es ihn in Anspruch. 

Das kann mit dem Denken der KI nicht gemeint sein. Was also passiert, wenn eine KI „denkt“?
Hier verarbeitet das Modell die Informationen aus dem „Lesen“-Schritt und führt mehrere interne Teilprozesse aus:

  • Problemstruktur erkennen (Welche Aufgabe ist gestellt? Welche Informationen sind relevant?)
  • Hypothesen bilden durch statistisches Abwägen von Mustern aus Trainingsdaten
  • Lösungsstrategie planen (sinnvolle Schritte planen vor dem Schreiben)
  • Kontext verknüpfen durch die Kombination mehrerer Informationsquellen wie vorherige Nachrichten, bekannte Muster usw.

Das Denken einer KI bedeutet also interne Berechnungsschritte, probabilistische Planung, logische Strukturierung der Antwort. Das hat nichts zu tun mit Verstehen, Bewusstsein und intentionaler Überlegung, was das menschliche Denken kennzeichnet. Auch wird im eigentlichen Sinne kein „domänenspezifisches Wissen angewandt“, sondern die KI nutzt korrelationsbasierte Muster aus domänenspezifischen Trainingsdaten. Wir reden also von statistischer Generalisierung, nicht von Wissensanwendung.

Trotzdem ähnelt der Vier-Schritte-Workflow, mit dem bei modernen KI-Agenten typische Schwächen von Sprachmodellen, wie z. B. das Halluzinieren, reduziert werden, dem menschlichen Arbeitsablauf beim Problemlösen (z. B. nach Newell & Simon). Dadurch wird die KI vom reinen Textgenerierer zum Problemlöser.

Doch unser menschliches Denken ist soviel mehr als analytisches Problemlösen. Es ist auch zweckfreies Philosophieren, Träumen, Spintisieren… Ich denke, wir sollten uns angewöhnen, die technische Funktionsweise einer KI nicht mit menschlichen Begriffen wie ‚Denken‘ oder ‚Wissen‘ zu beschreiben, sondern angemessene technische Begrifflichkeiten dafür finden. Denn eine zunehmende Vermenschlichung von KI birgt das Risiko der abnehmenden kritischen Distanz. Und eine Vermenschlichung führt dazu, dass einer Technik Eigenschaften zugeschrieben werden, z. B. moralisches Verhalten, die für eine realistische Einschätzung technologischer Folgen letztlich irrelevant sind. Und den Blick ablenken von den verantwortlichen Menschen hinter der KI.

The parable of the learning flock of sheep

In my lectures on knowledge management, I have always enjoyed using the story of the learning flock of sheep – based on David Hutchens‘ story Outlearning the Wolves – to develop the characteristics of a learning organisation together with my students. Now my daughter Pauline has made a video out of it – without any AI, which I think makes it all the more beautiful.
Enjoy (duration 5’34 min.).

A German version is also available.

WMOOC-Kursbuch: neue Inhalte

WMOOC-Kursbuch: neue Inhalte
WMOOC Kursbuch

Unser Wissensmanagement MOOC 2025 ist zwar beendet und der WMOOC 2026 noch in weiter Ferne (Start am 3. Oktober!), aber unser Wissen bleibt trotzdem in Bewegung:

Es gibt einige neue Inhalte im Kursbuch, auf die wir auch gerne aufmerksam machen möchten:

  • Transferampel
    Egal, ob personenbezogen oder themenzentriert, die Transferampel unterstützt sowohl Führungskräfte als auch Mitarbeitende dabei, mit Wissenssicherungund Wissenstransfer an den richtigen Stellen anzusetzen und die ohnehin knappen Ressourcen, vor allem zeitliche, mit größtmöglicher Wirkung einzusetzen.
  • Modell für das Persönliche Wissensmanagement von Reinmann und Eppler
    Ein bisschen theoretischer Unterbau zum Persönlichen Wissensmanagement.
  • Methodenwahl für das Persönliche Wissensmanagement
    Aufbauend auf dem Modell (s.o.) ein Anforderungsraster für die Methodenwahl, ebenfalls Reinmann und Eppler.

Unser Wissen entwickelt sich stetig weiter und gerne teilen wir das mit euch – auch außerhalb des MOOCs! 

Wissensmanagement im Studium: ein Werkzeugkasten

Wissensmanagement im Studium: ein Werkzeugkasten
Handreichung

Gerne möchte ich auf die gelungene Handreichung Wissensmanagement im (Promotions)Studium hinweisen, die in den letzten Monaten durch eine Fachgruppe der GfWM erarbeitet wurde. Diese Gruppe durfte ich von außen ein klein wenig mit meiner Expertise in diesem Thema unterstützen. Das Arbeitsergebnis liegt nun vor und ist – nicht nur für Studierende – absolut lesenswert.

Workshop zu Kompetenzprofilen im Wissensmanagement

Workshop zu Kompetenzprofilen im Wissensmanagement
Sollprofil WM Professional

Am 25. Februar von 17 bis 19 Uhr biete ich gemeinsam mit Angelika Mittelmann, Sabine Wax und Ute John einen offenen Online-Workshop zur Entwicklung von Kompetenzprofilen im Wissensmanagement an. Dabei nutzen wir den von Angelika und mir entwickelten und gemeinsam mit Ute und Sabine weiterentwickelten GfWM Kompetenzkatalog.

Im Workshop werden wir in kleinen Arbeitsgruppen konkret Profile für Personae, also fiktive Personen, mit Rollen im Wissensmanagement erarbeiten. Diese Personae könnt ihr selbst mitbringen oder auch eine von uns vorgeschlagene nutzen. Durch die konkrete Anwendung werdet ihr den Kompetenzkatalog und dessen praktische Anwendung intensiv kennenlernen. Und wir erhalten von euch wertvolle Rückmeldung zum Katalog, aber auch zu Berufsbildern und Anforderungen im weiten Feld des Wissensmanagement.

Der Workshop ist kostenfrei. Bei Interesse bitte einfach bei mir melden!

Als kleine Vorbereitung könnt ihr euch mithilfe von ein paar knappen Erklärvideos schon einmal in den Kompetenzkatalog ‚eindenken‘ – müsst ihr aber nicht.

Wir freuen uns auf eine intensive Beschäftigung und Auseinandersetzung mit ‚Kompetenzen für Wissensmanagement‘.

Wissensmanagement und Qualitätsmanagement mit KI – WMOOC Live Session online

Nun ist auch die letzte Live Session unseres Wissensmanagement MOOC 2025 online verfügbar: Zum Abschluss unseres Schwerpunktthemas Wissensmanagement und KI erläutert Johanna Kremsner Bolitschek, wie Wissensmanagement unter Zuhilfenahme von KI in ein bestehendes Qualitätsmanagementsystem integriert werden kann. Ein pragmatischer und vielversprechender Ansatz. Viel Spaß (Dauer 60’55“)

Damit ist der WMOOC 2025 nun tatsächlich zu Ende. Aber nach dem WMOOC ist auch immer vor dem WMOOC: Der WMOOC 2026 startet am 3. Oktober 2026. Sei dabei!

Firmenwikis richtig einsetzen -WMOOC 2025 Live Session online

Eine weitere, und zwar schon die vorletzte, Live Session aus unserem Wissensmanagement MOOC 2025 ist nun online auf dem open academy-Kanal verfügbar. Martin Harnisch gibt hier einen Input zur Frage, wie offen ein Wiki gestaltet sein sollte und woran es manchmal scheitert. Dass diese sehr offene Herangehensweise an ein Wiki nicht unumstritten ist und in der Session auch nicht war, zeigt die ausführliche und intensive Diskussion im Anschluss an den Input. So soll es sein im WMMOC, nämlich lebendig. Vielen Dank, Martin.

Und was meint ihr? Wie offen soll ein Wiki sein? (Dauer 1h 17 Min)

simply explained: Learning Organisation

In what is now the eighth episode of my short series on basic terms and concepts in knowledge management, I take a look at the so-called learning organisation: How does organisational learning differ from individual and collective learning? How does organisational learning manifest itself? What do single-loop, double-loop and deutero learning have to do with it? What are the five disciplines of the learning organisation according to Senge? And finally, what is absorptive and dissemination capacity all about?

Enjoy! (Duration 4’47 min.)
As always, my thanks go to Pauline Tempel for the successful visual implementation!

einfach erklärt: Lernende Organisation

In der mittlerweile achten Folge meiner kleinen Reihe zu Grundbegriffen und Konzepten aus dem Wissensmanagement beschäftige ich mich mit der so genannten Lernenden Organisation: Worin unterscheidet sich organisationales Lernen von individuellem und kollektivem Lernen? Wie manifestiert sich organisationales Lernen überhaupt? Was haben single-loop, double-loop und deutero learning damit zu tun? Was sind die nach Senge fünf Disziplinen der Lernenden Organisation? Und schließlich was hat es mit Absorptive und Dissemination Capacity auf sich?

Viel Spaß! (Dauer 4’52 Min.)
Wie immer geht mein Dank für die gelungene visuelle Umsetzung an Pauline Tempel!