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DIN Workshop zur ISO 30401 Wissensmanagement

Nachdem schon vor vier Jahren die ISO 9001 den Umgang mit Wissen als für Organisationen erfolgsentscheidend erkannt hat, gibt es nun eine brandneue ISO-Norm zu Wissensmanagement selbst. Diese formuliert Anforderungen an ein Wissensmanagement-System.

Wenn Sie erfahren wollen, was konkret in dieser Norm beschrieben und gefordert wird und wenn Sie mit anderen darüber nachdenken wollen, wie eine solche Norm in der Praxis umgesetzt und für das Wissensmanagement genutzt werden kann, kommen Sie am 18. Juni nach Berlin zu einem Workshop des DIN.

Ich werde dort als Mitveranstalterin und Moderatorin eines Teil-Workshops dabei sein und freue mich, Sie ihn Berlin zu treffen.

Wie Roboter lernen wie Menschen

Im Wissensmanagement beschäftigen wir uns immer wieder mit der Frage, wie wir lernen und wie letztlich Wissen entsteht. Diese Frage beschäftigt auch die Forscher auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz und der Robotik. Einer von ihnen ist Sami Haddadin, Leiter der Munich School of Robotics and Machine Intelligence.

Bei einem Vortrag an der Leibniz Universität Hannover demonstriert er gemeinsam mit Roboter Franka sehr eindrücklich, wie ein Roboter bzw. eine künstliche Intelligenz lernen kann, und zwar nicht durch die (stupide) Analyse millionenfacher Datensätze, sondern durch eine Nachahmung des menschlichen Lernprozesses: in a balance of exploitation and exploration (Haddadin). Das Video verdeutlicht nicht nur, wie Maschinen schon heute lernen können, sondern zeigt auch sehr schön, wie eigentlich unser menschlicher Lernprozess im Grunde funktioniert:

Vor Kurzem nun hat Haddadin das Experiment noch weiter getrieben: Bei einer Veranstaltung in der Pinakothek der Moderne hat er maschinelles kollektives Lernen demonstriert. Er stellte mehreren Robotern die Aufgabe ein Schloss zu öffnen. Wie in obigem Video lediglich durch Ausprobieren. Wie bei Franka in Hannover braucht es eine ganze Weile, bis der erste es schafft, den Schlüssel ins Schloss zu stecken. In einem zweiten Durchgang verbindet Haddadin die Roboter über das Internet. Sobald nun einer von ihnen einen Fehlversuch macht, lernen die anderen automatisch, dass es so nicht geht und wiederholen den Fehler bereits nicht mehr. Nach einer sehr kurzen Zeit schon stecken alle Schlüssel gleichzeitig im Schloss. Leider, leider gibt es von dieser Veranstaltung kein Video.

Wie schön hätte man dieses in Vorträgen und Workshops zum Thema Corporate Learning, Lessons Learned usw. verwenden können, gell?
Und auch ein wenig Schwindelgefühl: Die Roboter lernen wie Menschen lernen, was die Menschen lehrt, wie sie lernen…

Die Bienen, der MOOC und die freie Bildung

Die Bienen, der MOOC und die freie Bildung
Bienen open academy

Heute geht es mal um etwas ganz anderes, nämlich um Bienen: Mein Mit-Streiter in Sachen Wissensmanagement MOOC und Freies Kursbuch Wissensmanagement, Dirk Liesch, hat die open academy-Plattform, auf der unser Kursbuch zu finden ist, um einen Kurs zum Thema Bienen und Imkerei ergänzt. Hier teilt er sein Erfahrungswissen als begeisterter Hobby-Imker. Schauen Sie doch mal rein!

Und wenn Sie schon mal dort sind: Der Wissensmanagement MOOC, oder auch WMOOC, startet in diesem Jahr wieder am 3. Oktober – in diesem Jahr mit der Option einer begleitenden Ausbildung zum WM Professional. Seien Sie dabei! Natürlich jederzeit und immer gerne als Teilnehmerin und Teilnehmer, aber auch als Input-Geber einer Live Session, in der Sie über Ihre Erfahrungen mit Wissensmanagement oder mit einzelnen Werkzeugen aus dem Wissensmanagement berichten. Wenn Sie Interesse und etwas zu sagen / zeigen haben, melden Sie sich bitte einfach bei mir!
Sie sind auch herzlich eigeladen, das Freie Kursbuch mitzugestalten: Ihnen fehlen Inhalte? Inhalte sind aus Ihrer Sicht nicht mehr aktuell? Gerne können Sie als Autorin und Autor – natürlich unter Nennung Ihres Namens – mitwirken. Teilen Sie uns Ihre Verbesserungsvorschläge einfach mit!

Denn wie schon die Bienen wussten: Gemeinsam schafft man mehr (und weiß man mehr), gell?

Es gibt ihn – den learning tracker

Es gibt ihn – den learning tracker
Fitness Tracker oder Learning Tracker

Erinnern Sie sich noch an meine Idee eines learning trackers? Also einer App, ähnlich einer Fitness-App, die meine Lern-Events trackt und mich eventuell auch erinnert, wenn ich Lernziele nicht erreiche?

Die Idee war ja recht spontan und unausgegoren in einer meiner Vorlesungen entstanden, als die Studierenden mich fragten, wie diszipliniert ich selbst denn lernte. Nun ja…

Nun hat mich diese Woche Lukas von Hohnhorst, Stundent der Betriebswirtschaft an der Universität Mannheim, kontaktiert mit der Nachricht, er habe einen solchen learning tracker entwickelt, und zwar zunächst als persönliches Lerntagebuch für sich selbst. Doch lesen Sie selbst, wie er Entstehung und Nutzung seines Lerntagebuches beschreibt!

Bildquelle: www.choice.com.au

(non)leadership phenomena in collaborative interorganizational networks

(non)leadership phenomena in collaborative interorganizational networks

Heute möchte ich einen Lesetipp geben, und zwar eine Studie von Sigrid Endres und Jürgen Weibler über Führung in kollaborativen Netzwerken. Die beiden Autoren gehen der Frage nach, ob Führung in solchen, a priori nicht-hierarchischen Strukturen, trotzdem entsteht und in welcher Form. Eine interessante Erkenntnis der beiden Autoren: in aufgabenorientierten Kontexten bleibt das Thema ‚Führung‘ in der Regel unbesetzt, in motivational orientierten Kontexten entwickelt sich eine ’shared leadership‘.

Auch wenn die Autoren sich mit interorganisationalen Netzwerken beschäftigen, sind ihre Fragestellungen und Erkenntnisse auch interessant für organisationsinterne Netzwerke wie Communities und Ähnliches. Aber lesen Sie ruhig selbst!

Die Mission von Wissensmanagement

Letzte Woche habe ich als Key Note Speakerin an der 5. Internationalen Tagung für Qualitätsmanagement und Qualitätsentwicklung im Hochschulbereich in Graz teilgenommen und dort viele spannende Vorträge zum Schwerpunktthema der Tagung Qualitäts- und Wissensmanagement an Hochschulen – zwei Perspektiven? gehört.

Beim Vortrag von Benjamin Ditzel von der Hochschule für angewandte Wissenschaft Hamburg habe ich eine wunderbare Formulierung mitgenommen, die meines Erachtens die Mission von Wissensmanagement perfekt beschreibt: Die Vision von Wissensmanagement ist, so denke ich, die Lernende Organisation. Wenn dies so ist, dann ist die passende Mission, also der Auftrag, den Wissensmanagement hat, die Reflexionsfähigkeit der Organisation zu erhöhen. Einverstanden?

Mit dieser Mission beantwortet sich auch die Leitfrage der Tagung nach dem Zusammenspiel von Qualitäts- und Wissensmanagement, denn Qualitätsmanagement beruht auf der Reflexionsfähigkeit der Organisation im Sinne einer kontinuierlichen Verbesserung.

„Über das Unbehagen mit Wissensmanagement…

…und wie es trotzdem funktionieren kann. Lessons Learned aus 20 Jahren Erfahrung“ – so der Titel der Key Note, die ich am 5. Februar 2019 bei der 5. Internationalen Tagung zu Qualitätsmanagement und Qualitätsentwicklung im Hochschulbereich in Graz halten durfte.

Der Vortrag wurde von Reinhard Gussmag grafisch umgesetzt (was für mich als Vortragende sehr spannend war). Hier nun das Graphic Recording, das dabei entstanden ist, viel Spaß:

Deep Reading

Deep Reading

Bleiben wir ein wenig beim Thema Digitalisierung:

Gehören Sie auch zu den Menschen, die Texte, mit denen Sie sich intensiver beschäftigen, ausdrucken? Und kommen Sie sich dabei auch manchmal peinlich altmodisch und unfit for the digital age vor? Dann kann ich Sie jetzt beruhigen: Im Herbst letzten Jahres haben sich fast 200 Forscher aus ganz Europa im norwegischen Stavanger getroffen, um über die Zukunft des Lesens zu debattieren. Die Ergebnisse dieser Debatte haben sie in der Stavanger-Erklärung festgehalten. Dort können Sie nachlesen, dass Papier immer noch der beste Träger für lange informative Texte ist, vor allem wenn es um ein tieferes Textverständnis geht und darum, das Gelesene auch zu behalten. Diese Aussage stützt sich auf eine Meta-Studie, die 54 Einzelstudien mit mehr als 17.000 Teilnehmern ausgewertet hat. Tröstlich, wenn man selbst zu den Ausdruck-Dinos gehört.

Eher Besorgnis erregend ist eine weitere Erkenntnis: Bildschirmleser überschätzen ihr Leseverständnis offenbar maßlos, was dazu führt, dass Texte mehr überflogen als gelesen werden. Und dieses unkonzentrierte Überfliegen dehnt sich auch auf das Lesen auf Papier aus. Insgesamt wird also unser Leseverständnis, die Fähigkeit konzentriert zu Lesen schlechter.

Was sind die Gründe? Dazu muss man sich nur selbst beobachten: Beim Lesen am Bildschirm bleiben wir tatsächlich selten beim Text, zu viele Ablenkungen, z. B. aufpoppende E-Mails, Tweets, Erinnerungen usw., stören die Konzentration – und wir lassen uns stören. Dem kann natürlich jeder von uns selbst entgegenwirken, indem wir solche potenziellen Störquellen für das Lesen am Bildschirm ausschalten.

Das geringere Leseverständnis hat, laut der Stavanger-Forscher, aber auch andere, tiefer liegende und weniger einfach zu beseitigende Gründe. Zum Beispiel embodied cognition. Damit wird die Tatsache bezeichnet, dass die Wahrnehmung von Text auch über unseren Körper funktioniert. Und dieser erhält beim digitalen Lesen weniger Orientierung, z. B. das Gewicht der bereits gelesenen bzw. noch zu lesenden Seiten eines Buches in der rechten und linken Hand. Weniger Orientierung bedeutet weniger Erinnerungsanker, wie die Neurobiologin Theresa Schilhab von der Universität Arhus und eine der Unterzeichnerinnen der Stavanger-Erklärung erforscht hat. In digitalen Texten sind wir weitgehend orientierungslos und daher findet unser Erinnerungsvermögen wenig Ankerpunkte.

Die Stavanger-Gruppe will nun herausfinden, wie das digitale Lesen verbessert werden kann. Noch gibt es dazu keine Patentrezepte.

Übrigens, haben die Forscher auch festgestellt, dass die konzentrierte Rezeption kognitiv anspruchsvoller Texte schlichtweg Übungssache ist. Das hat nun wieder jeder von uns selbst in der Hand, gell?

Haben Sie es bis hierher geschafft? Und was konnten Sie sich aus dem – zugegeben recht langen – Blogbeitrag merken?