Author: Gabriele Vollmar

Schneller, weiter, kreativer?

Haben Sie zufällig das aktuelle Titelbild des Harvard Business Manager schon gesehen? „Schneller brainstormen. In 4 Minuten zur zündenden Idee“.

Klingt vielversprechend, oder? Oder doch irreführend? Denn…

Hat Kreativität nicht auch viel mit Muße zu tun? Brauchen Ideen nicht Zeit zum Reifen? Vor allem, wenn sie wegweisend sein sollen (ich verwende mal bewusst nicht das (Un-)Wort ‚disruptiv‘)?

Muße, also die Zeit, die der Mensch zur freien Verfügung hat, galt den Denkern der Antike als notwendiger Freiraum für schöpferisches Handeln und als angestrebter Gegenpol zur unfreien Slavenarbeit. Erst das Mittelalter sah in der menschlichen Muße eine Bedrohung (der herrschenden Macht- und Denkstrukturen): Müßiggang ist aller Laster Anfang. Vielleicht ja aber auch aller (ungewollten, weil revolutionären) Neuerung?

Protestantische Ethik und Frühkapitalismus haben sich diese Sicht zu eigen gemacht. Ja, und der Spätkapitalismus, in dem wir heute leben, hat die Muße in Form von Freizeit zwar wiederentdeckt, aber dabei auch weitgehend kommerzialisiert und ihrer notwendigen Leere beraubt.

Wäre es denn nicht nachhaltiger kreativ, anstatt in 4 Minuten zur nächsten scheinbar zündenden Idee zu hetzen, der persönlichen Muße wieder mehr Platz einzuräumen? Damit Ideen nicht in Sekunden verglühen, sondern wachsen, wurzeln und austreiben?

Ich gehe jetzt mal raus und denke darüber nach. In aller Ruhe.

 

Ausbildung zum Wissensmanager mit Abschluss

Ausbildung zum Wissensmanager mit Abschluss
WMOOC

Aus gegebenem Anlass – die ersten Plätze sind nämlich bereits belegt – möchte ich nochmals auf die Möglichkeit einer Ausbildung zum Wissensmanager hinweisen, die im Oktober mit dem dritten MOOC Wissensmanagement starten wird.

Die Ausbildung verfolgt den so genannten flipped classroom-Ansatz, d.h. Phasen des Selbststudiums durch die Teilnahme am MOOC werden ergänzt durch zwei intensive anderthalbtägige Präsenzphasen, jeweils Donnerstag / Freitag zum konkreten gemeinsamen Arbeiten, Erfahrungsaustausch, Ausprobieren, Praxisreflexion usw.

Inhaltlich folgt die Ausbildung dem aktuellen Stand des Kompetenzprofils Wissensmanager der Gesellschaft für Wissensmanagement e.V.

Die Fortbildung kann, auf Wunsch, mit einem Zertifikat abgeschlossen werden.

Seien Sie dabei! Wie gesagt, die ersten Plätze unserer bewusst sehr klein gehaltenen Gruppe sind bereits belegt. Detaillierte Informationen gibt es in diesem Flyer.

Bei Fragen bitte einfach an mich wenden!

 

P.S.: Natürlich können Sie auch einfach wieder „nur“ am freien Angebot des WMOOC 2018 teilnehmen, der wie immer am 3. Oktober startet.

Wir unterstützen wieder das GKC 2018

Wir unterstützen wieder das GKC 2018
GKC

Ich freue mich als Sponsorin auch in diesem Jahr wieder das Knowledge Camp der Gesellschaft für Wissensmanagement unterstützen zu können. Für mich sind diese jährlich stattfindenden barcamps rund ums Wissensmanagement mit die inspirierendsten Veranstaltungen, von denen ich immer mit einem Kopf voller Ideen nach Hause fahre.

Wer dieses Jahr dabei sein möchte: Das GKC findet vom 23. bis 24. Oktober in München statt. Alles Weitere finden Sie hier.

Viel Spaß und vor allem viele Ideen und Kontakte!

Aufgelesen

Aufgelesen
Aufgelesen

Zum Wochenende mal wieder ein kleines „Aufgelesen“, dieses Mal nicht aus einem Fachbuch, -artikel, sondern aus einem Roman (Der Bonbonpalast von Elif Shafak):

„Für Professor Kandinsky funktionierte das Gehirn wie eine penetrante Hausfrau mit ausgeprägtem Ordnungssinn. Es nimmt alles in Beschlag, was das Haus betritt, und sorgt dafür, die selbst geschaffene Ordnung zu bewahren.“

Ein schönes Bild für Informationsverarbeitung und Wissen als subjektive Konstruktion (und warum Lernen und Disruption schon auf individueller Ebene so schwierig sind), oder?

Videoaufzeichnungen der letzten DGQ-Webinare verfügbar

Wie berichtet, haben meine GfWM und DGQ Fachkreis-Kollegin Ute John und ich in den letzten Wochen zwei Webinare im Kontext „Umgang mit Wissen in der ISO 9001:2015“ gehalten, mit sagenhaften über 150 Teilnehmern an den beiden Terminen.

Nun stehen die Aufzeichnungen dieser Webinare online zur Verfügung:

Webinar vom 23.05.2018

Webinar vom 19.06.2018

Eine kleine Einschränkung: Der Zugriff ist nur für DGQ-Mitglieder möglich. Aber wer möchte, kann eine kostenfreie 90-tägige Schnuppermitgliedschaft abschließen…

Aufgeschnappt

Heute möchte ich gerne mal wieder ein kleines Aufgeschnappt mit Ihnen teilen:

Und zwar 2 Gedanken aus 7 Lektionen für die nächste Generation von Jack Ma, dem Gründer des chinesischen Online-Händlers Ali Baba.

  1. Gedanke: Pures Wissen ist von gestern. Was den Menschen in den letzten 200 Jahren vorangebracht hat, nämlich das schiere Anhäufen von Wissen, ist passé, weil Maschinen und Computer sich alles besser merken können und dabei nie müde werden.
  2. Gedanke: Weisheit ist das neue Wissen. Wenn Maschinen dem Menschen im Anhäufen von Daten und Fakten überlegen sind, bleibt dem Menschen die Weisheit. Schlaue Maschinen sehen Dinge, die dem Menschen entgehen. Aber ein weiser Mensch sieht diese Dinge auch, kann aber vorgeben, sie nicht zu sehen. Das ist Weisheit, die nur der Mensch erlangt.

Laut Ma, kommt es im Unternehmen nicht auf die schlauesten Mitarbeiter an, sondern auf die verrücktesten.

So gesehen: Tun Sie etwas Verrücktes an diesem Wochenende. Und haben Sie Spaß dabei!

Großes Interesse am Thema Wissen in der ISO 9001

Großes Interesse am Thema Wissen in der ISO 9001
Webinar

Wie berichtet, werde ich in der nächsten Woche ein weiteres Webinar für die Deutsche Gesellschaft für Qualität (DGQ) zum Thema „Anforderungen an den Umgang mit Wissen in der ISO 9001:2015“ halten, und zwar konkret zur Frage, wie wirkungsvolle Lessons Learned gestaltet und damit nachhaltig aus Erfahrungen gelernt werden kann.

Nachdem das Thema Wissen nach der Veröffentlichung der Normrevision vor 3 Jahren noch eher verhaltene Reaktionen bzw. geringes Interesse in der QM-Community hervorgerufen hat, scheint es nun stark an Fahrt aufzunehmen: Wie schon das Webinar aus derselben kleinen Reihe meiner geschätzten Kollegin Ute John vor einigen Wochen, war auch dieses förmlich innerhalb von Stunden nach Versand der Einladung mit 100 angemeldeten Teilnehmern ausgebucht. Wow!

Ich freue mich auf viele herausfordernde Fragen aus der QM-Community.

Die Liste

Heute ein kleines Presse-Clipping aus der letzten Frankfurter Sonntagszeitung als Denkstoff:

„Fragen Sie immer, wenn jemand eine Smart City oder ein autonomes Auto plant: Wo ist die Liste mit den Dingen, die nicht automatisiert werden? Das Bewusstsein für das Nicht-Automatisierbare ist der Indikator dafür, inwieweit die menschliche Freiheit erhalten bleibt.“, sagt Alexander Mankowsky, Future Studies and Ideation Daimler AG.

The gaming scientist

The gaming scientist
exoplanet lichtkurve

Haben Sie schon einmal vom Konzept der Citizen Science gehört? Ursprünglich, d.h. in den 1990er Jahren, in denen der Begriff geboren wurde, sollte damit die Öffnung der Wissenschaft hin zur Gesellschaft gefördert werden, im Sinne der Wissenschaftskommunikation.

In Zeiten von Big Data hat der Begriff in den letzten Jahren eine Umdeutung erfahren: Heute bezeichnet man mit Citizen Science in der Regel die Beteiligung von Nichtwissenschaftlern an der Datensammlung nach einem spezifischen, wissenschaftlichen Protokoll einerseits und andererseits an der Analyse und Interpretation der Daten. Kurz, es geht um die ehrenamtliche Zuarbeit.

Nun ist das Sammeln von Daten und auch die Analyse großer Datenmengen nicht gerade eine spannende Tätigkeit. Was sollte also Laien, und zwar eine ausreichend kritische Masse davon, motivieren genau dieses zu tun? In ihrer Freizeit?

Hier kommt nun das Gaming ins Spiel (im wahrsten Sinne des Wortes): Die in der Regel langweilige und repetitive Recherchetätigkeit wird in ein bestehendes Computerspiel eingebaut und zwar so, dass die eigentliche Spielerfahrung dadurch nicht gestört wird. Die Wissenschaft passiert sozusagen nebenbei. Dass das tatsächlich funktioniert, hat das Project Discovery bereits bei der Erstellung des Humanproteinatlas bewiesen und beweist es aktuell bei der Suche nach Exoplaneten, also Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. Project Discovery ist ein kleines Spielmodul, das freiwillig zusätzlich in das Computerspiel EVE Online installiert werden kann. Bei der Suche nach Exoplaneten müssen Teleskopbilder auf bestimmte Lichtmuster hin, die ein Indikator für einen Exoplanet sein können, analysiert werden. Das geschieht natürlich durch reine Rechneranalyse, aber eben auch durch den Menschen, dessen Fähigkeit zur Mustererkennung der Rechnerleistung offensichtlich immer noch überlegen ist. So werden diejenigen Lichtkurven (insgesamt hat das Weltraumteleskop fast 170.000 aufgenommen), die vom Rechner bereits aussortiert wurden, im zweiten Schritt den menschlichen Analysten vorgelegt, die in komplexen, chaotisch anmutenden Lichtkurven immer noch Muster erkennen, wo der Rechner eben den „Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht“ (Sie entschuldigen das schräge Bild). Die Gamer werden im Erfolgsfall übrigens mit wertvollen Ausrüstungsgegenständen für das virtuelle Raumschiff oder den eigenen Avatar belohnt – womit sonst?

Sie finden das auch spannend? Die Schweizer Plattform Massively Multiplayer Online Science hat sich die Integration von Gaming und Citizen Science auf die Fahne geschrieben.

Aber was hat das alles nun eigentlich mit Wissensmanagement zu tun? Vielleicht ja nichts…, aber die Erweiterung des persönlichen Wissens sollte nicht immer so konsequent auf Relevanz gefiltert sein, oder? Vielleicht ganz viel bei ein wenig Nachdenken, denn es geht um die Generierung neuen Wissens, um die Mobilisierung der magischen crowd, um Big Data und Digitalisierung, um Motivation… Das weitere Nachdenken überlasse ich Ihnen!

 

Bildquelle: www.br.de